Gefühle kann man hören

30.05.2018

Im täglichen Zusammenleben ist es wichtig, andere Menschen gut einschätzen zu können. Dabei spielt unser Gehör eine wichtige Rolle. Forscher an der US-amerikanischen Yale University haben jetzt herausgefunden, dass man Gefühle anderer besser einschätzen kann, wenn man sich in erster Linie auf sein Gehör verlässt. Zwischentöne in der menschlichen Sprache verraten oft mehr als das Verhalten.

Für die Gewichtung des Seh- und Hörsinns bei der emotionalen Beurteilung des Gegenübers haben die Wissenschaftler um Michael W. Kraus mit rund 1.800 Probanden zahlreiche Experimente gemacht. Sie mussten sowohl in Zweiergruppen miteinander reden als auch die Gespräche fremder Personen beobachten und beurteilen. Die Versuchspersonen konnten sich entweder nur hören oder nur sehen oder beides gleichzeitig. Zusätzlich seien elektronisch verfremdete Stimmen eingesetzt worden. Bei der Auswertung habe man erkannt, dass die Probanden, die nur zuhören durften, die Emotionen der anderen am besten erkennen konnten. Das habe auch beim Sprach- oder Video-Chat funktioniert. Die schlechtesten Ergebnisse lieferten demnach die Computerstimmen.

Wer jemanden richtig verstehen will, sollte zuhören, fassen die Forscher das Ergebnis zusammen. Ein trauriger Mensch spreche zum Beispiel eher in einer tieferen und monotonen Tonlage, bei Ärger oder Freude sind die Töne höher und die Sprachmelodie abwechslungsreicher. Angst äußere sich in einer hohen eintönigen Stimme, in höchster Erregung könne es sogar zum ungewollten Verschlucken von Worten oder zum Versagen der Stimme kommen. Schon kleinere und unauffälligere Nuancen in Stimmfarbe und Sprachmelodie könne das Ohr erkennen.

Forschungsleiter Michael W. Kraus zeigte sich überzeugt, dass Sprache die Emotionen auch deswegen besonders glaubwürdig transportiere, weil es viel Beherrschung und Selbstkontrolle erfordere, die Gefühle in der Stimme zu überspielen, während das Gehör schon auf kleine Unterschiede der Stimmfärbung reagiere. Mimik und Gestik könnten dagegen einfacher gesteuert und manipuliert werden. Weil das Gehirn schneller und zuverlässiger funktioniere, wenn es nicht zu viele Signale gleichzeitig verarbeiten muss, falle es schwerer visuelle und auditive Eindrücke zu beurteilen, um den Gegenüber einzuschätzen.

Tatsächlich erleben die Pro Akustiker in der Praxis häufig, dass die Kunden von Missverständnissen zuhause berichten, weil zum Beispiel die Kinder einen Witz machen, der nur zu verstehen ist, wenn man die Zwischentöne genau hört. Die aber gehen mit der Verschlechterung des Hörvermögens häufig sehr früh verloren. Für die Teilhabe am sozialen Leben und das gute Verständnis sei es deshalb wichtig, eine Hörminderung frühzeitig versorgen zu lassen. 

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